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Vaterschaftsurlaub – Die peinliche Haltung des Bundesrates

Am Donnerstag dem 23. Mai hat der Bundesrat Kommuniziert, dass er jeglichen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub ablehnt. Diese Haltung ist ein Schlag ins Gesicht aller jungen Familien. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in der Schweiz so schwierig wie fast nirgends in Europa. Anstatt junge Väter und Mütter zu unterstützen und ihnen ein Erwerbsleben neben der Familie zu ermöglichen, werden ihnen Steine in den Weg gelegt. In einem so reichen Land wie der Schweiz ist es eine Schande, dass wir keinen Vaterschaftsurlaub garantieren. Den heute garantierten Tag reicht oft nicht einmal für die Geburt. Die Betreuung eines neugeborenen Kindes ist eine der schwierigsten Aufgaben, die einem Paar bevorstehen. Es erfordert eine Betreuung rund um die Uhr. Zu erwarten, dass eine Person allein das bewältigen kann, ist absurd. Genau das scheint aber die Erwartung des Bundesrates zu sein. Dieser hält es für unzumutbar, dass Männer zwei Wochen zuhause bleiben und bei der Betreuung des eigenen Kindes mithelfen. 

 

Den Vaterschaftsurlaub auf die Arbeitgeber abzuwälzen ist ein billiger Versuch die eigene Untätigkeit zu verstecken. Es gibt heute tatsächlich einige Grosskonzerne, die einen Vaterschaftsurlaub eingeführt haben, um bessere Fachkräfte anzuwerben. Auch gibt es wenige KMU, die einen einwöchigen Urlaub eingeführt haben. Einen gesetzlich verankerten Vaterschafturlaub von vier Wochen, der über die EO finanziert wird, kommt aber den KMU wesentlich günstiger als einen freiwilligen Urlaub. Der Bundesrat hat sich also dazu entschieden einen längeren und gleichzeitig günstigeren Vaterschaftsurlaub für alle abzulehnen. Damit lässt er alle werdenden Eltern im Regen stehen und beweist seine Gleichgültigkeit gegenüber allen, die sich die Betreuung ihrer Kinder gerecht aufteilen wollen.

 

Sich als Vater um seine Kinder kümmern zu können, darf weder vom Einkommen, noch vom Arbeitgeber abhängig sein. Das ist weder eine radikale Forderung, noch eine realitätsferne. Jeder muss die Möglichkeit haben seine Verantwortung wahrnehmen zu können. Dafür muss die Politik und die Gesellschaft die notwendigen Grundlagen schaffen. Die Initiative für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub verlangt einen gesetzlichen Urlaub von vier Wochen. Sowohl vier, als auch zwei Wochen sind gut finanzierbar und auch wirtschaftsverträglich. Umso unverständlicher ist die Haltung des Bundesrates. 

Der Bundesrat sagt, dass die Politik nicht an den Familientisch gehöre, aber der Arbeitgeber schon. Das ist ungeheuerlich! Jeder muss die gleiche Möglichkeit haben für seine Familie zu sorgen, unabhängig vom Goodwill seines Chefs.

 

Der Bundesrat hat sich mit diesem Entscheid dazu entschieden seine Verantwortung nicht wahrzunehmen. Er zeigt sich unkooperativ junge Eltern in ihrer schwierigen Aufgabe zu unterstützen und ein Familienleben, neben dem Arbeitsleben zu ermöglichen. Jetzt gilt es diese Aufgabe selbst in die Hände zunehmen und eine Familienpolitik des 21. Jahrhunderts zu schaffen. Es braucht deshalb ein klares Ja zur Vaterschaftsurlaubinitiative.